ADHS und Sucht

Die einen saufen, die anderen kaufen, stopfen sich mit Süßigkeiten voll, daddeln bis zum Umfallen – und so weiter und so fort. ADHS-Betroffene sind allerdings besonders gefährdet, sich in einer Sucht zu verlieren. Warum das so ist, welche Folgen drohen und wie du Abhängigkeiten in den Griff bekommst – das erfährst du hier.

Sucht definiert sich durch ein starkes Verlangen, etwas regelmäßig zu tun oder zu konsumieren. Das tun wir, um einen bestimmten Gefühlszustand zu erreichen – in der Regel, um die Welt um uns herum für eine Weile zu vergessen. Das kann guttun – oder aber aus dem Ruder laufen. Dann führt es zu einer Teufelsspirale, denn man braucht immer mehr davon, um die Wirkung zu erzielen. Und irgendwann verliert man die Kontrolle über seinen Konsum.

Warum ADHS das Suchtverhalten begünstigt
Der entscheidende suchtbegünstigende Hintergrund bei einer ADHS-Erkrankung ist der Mangel an Dopamin und Noradrenalin. Diese Botenstoffe sorgen für die Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Ist dieser Kommunikationsweg durch eine ADHS gestört, nimmt das deutlichen Einfluss auf deine Konzentrationsfähigkeit und Motivation.

Es gibt etliche Substanzen – etwa Nikotin, Cannabis oder Alkohol –, die in deinem Gehirn eine ähnliche Wirkung entfalten wie Dopamin. Wer sie konsumiert, hat zunächst den Eindruck, seine ADHS-Symptome zu lindern. Doch das gute Gefühl hat seinen Preis. Langsam aber sicher musst du die Dosis steigern, um dasselbe wieder zu empfinden. Der Übergang zur Sucht erfolgt in der Regel schleichend, du bemerkst es nicht, besonders, wenn der Kopf ohnehin durcheinander ist.

Ein romantisches Abendessen, ein stimmungsvoller Spaziergang, das gepflegte Gespräch – überhaupt die Sternstunden, die unser Leben bereichern – sollte das nicht genügen? Leider stimulieren Suchtmittel unser Belohnungszentrum bis zu zehnmal stärker als solche natürlichen Erlebnisse. Das verführt unsere Psyche natürlich sehr schnell. 

Früher Einstieg – und alles irgendwie anders
Statistisch erweisen ist, dass von ADHS Betroffene häufiger Suchtmittel konsumieren, und das beginnt in der Regel auch vielfach in jungen Jahren. Denn der unüberlegte Affekt, die Suche nach dem Kick, ausgeprägte Neugierde – all das gehört zu den Verhaltensmustern.

Viele Konsumenten versuchen dann auch, sich selbst mit Drogen zu therapieren. Irgendwie anders wirken die Substanzen bei den ADHS-lern. Zum Beispiel Kokain: Statt rauschender Selbstdarstellung versetzt das Pulver die Kandidaten in die Lage, konzentriert und ausdauernd zu arbeiten. Langzeitfolgen? Egal jetzt. Wer will das schon wissen, wenn gerade eine dringende Aufgabe zu bewältigen ist?


ADHS-Medikamente – ein Suchtfaktor?
ADHS-Medikamente haben – wenn überhaupt – nur ein geringes Suchtpotenzial. Fest steht aber, dass der Wirkmechanismus den Suchtmitteln gleicht. Die einschlägigen Präparate stimulieren gleichermaßen das Belohnungszentrum im Gehirn. 

Zugleich melden Studien, dass die Einnahme von ADHS-Medikamenten eine vorbeugende Wirkung auf das Suchtverhalten hat. Zumindest gibt es die zentrale Aussage, dass diese Arznei dein Verlangen nach anderen, womöglich gefährlicheren Suchtmitteln reduziert. Wenn du aber unsicher bezüglich deiner Tabletten bist, sprich offen mit deinem Arzt darüber. Er kann die Dosierung modifizieren, oder ihr könnt Alternativen ausprobieren.

Cannabis
Das in Deutschland seit 2024 geltende Cannabis-Gesetz (CanG) erlaubt einen laxen Umgang mit der Hanfpflanze. Ihre Wirkung ist recht vielfältig, sie reicht von Entspannung über Aufgekratztheit bis zu nervöser Unruhe oder paranoiden Zuständen. In manchen Fällen kann sie ADHS-Symptome lindern, von unkontrollierter Selbstmedikation ist allerdings aus oben genannten Gründen abzuraten.

Halluzinogene
LSD, halluzinogene Pilze oder Angel Dust sind für ADHS-Patienten besonders gefährlich, denn ihr Konsum kann ganz individuell aus dem Ruder laufen. Du riskierst Panikattacken und selbstgefährdendes Verhalten, weil du die Realität komplett verändert wahrnimmst. Darüber hinaus gibt es irreversible Schädigungen – zum Beispiel in Form einer dauerhaften Psychose.

Alkohol
Legal. Lustig. Locker. Jedenfalls auf den ersten Blick. Die Langzeitfolgen sind hinreichend bekannt. Bei ADHS ist jedoch besondere Vorsicht geboten. Denn die enthemmende Wirkung kann fatale Ausmaße annehmen. Patienten, die ohnehin zu unbedachtem und leichtsinnigen Verhalten neigen, verlieren schnell jede Selbstkontrolle. Und werden vielleicht nicht nur verkatert, sondern auch voller Reue am nächsten Morgen aufwachen.

Nikotin
ADHS-Patienten sind häufig Raucher, weil das Nikotin genau das ausschüttet, was auf die Schnelle erwünscht und gebraucht wird: Dopamin – das bringt die Motivation wieder auf Trab. Leider funktioniert das nur sehr kurz. Es muss also viel geraucht werden, um den Nikotinspiel oben zu halten. Ein teurer Spaß mit üblen Folgen für deine Gesundheit!

Internet, Social Media, Computerspiele
Keine organisch schädigenden Substanzen sind hier im Spiel, sondern eine andere Art der Realitätsflucht. Viele Jugendliche mit ADHS flüchten sich in die digitale Welt als Zufluchtsort für mehr Erfolg und Anerkennung. Immerhin kann Gaming auch die Konzentration, Koordination und Reaktionsgeschwindigkeit fördern. Aber das Suchtpotenzial ist hoch. Besonders ADHS-lern sei geraten, sich ein Zeit-Limit zu setzen, um den realen Lebensalltag nicht aus den Augen zu verlieren.  


FAZIT
Höher, schneller, weiter: Extreme Verhaltensweisen sind relativ typisch für ADHS-Patienten. Das macht sie so suchtanfällig. Im Zweifelsfall solltest du dich fragen: Läuft es aus dem Ruder? Sprich darüber – mit Freunden, mit deinem Arzt. Rat findest du auch bei zahlreichen anonymen Beratungsstellen wie etwa der Sucht- und Drogen-Hotline unter 01805 – 313031.

Quelle und weitere Informationen:
https://gemeinsam-adhs-begegnen.de/wp-content/uploads/2024/05/ANSICHT_Medice-ADHS-Vol04-Booklet-A5-Sucht-RZ.pdf