Wieder mal ein neues angesagtes Leiden? Faule Ausrede, wenn du keine Lust hast, dich auf komplexe Aufgaben zu konzentrieren? Weit gefehlt. Wer wirklich ADHS hat, braucht sich nicht zu schämen, denn es handelt es sich um ein ernstzunehmendes Leiden. Hier erfährst du alles über das Krankheitsbild, mögliche Ursachen, Symptome und Therapieformen.
ADHS - eine neurobiologische Störung
Beim Thema ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) war der Fokus lange Zeit ausschließlich auf Kinder und Jugendliche gerichtet. Heute weiß man, dass Erwachsene gleichermaßen betroffen sein können. Mediziner sprechen von einer neurobiologischen Störung, bei der die Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn teilweise nicht richtig funktioniert. Da ADHS immer in jungen Jahren entsteht, beeinträchtigt dies auch die Persönlichkeitsentwicklung.
Die Störung äußert sich vor allem in Schwierigkeiten, sich länger auf etwas konzentrieren zu können, Impulsivität und körperlicher Unruhe (Hyperaktivität). Ein wichtiger Unterschied besteht übrigens bei der Variante ADS – hier fehlt das H für Hyperaktivität. Entsprechend gelten ADS-Patienten als leicht abzulenken und verträumt, aber nicht von körperlicher Unruhe getrieben.
URSACHEN UND ENTSTEHUNG
Es sind immer eine Menge Faktoren und ihr Zusammenwirken, die der Entstehung einer ADHS zugrunde liegen. Dazu gehören:
- Genetische Veranlagung
- Veränderungen des Botenstoff-Transports im Gehirn
- Umwelteinflüsse und andere biologische Faktoren
Studien belegen, dass ADHS familiär gehäuft auftritt, also vererbt werden kann. Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass die Erkrankung inzwischen oft auch bei Eltern betroffener Kinder erkannt wird. Verwandte ersten Grades – also Vater, Mutter, Kinder – haben eine 3- bis 5-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit, ebenfalls an einer ADHS zu leiden.
Eine ADHS bringt das Gleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn aus dem Lot. Reize und Informationen werden zwischen den Nervenzellen nicht optimal weitergeleitet. Dazu kommt ein Mangel an Hormonen wie etwa Dopamin, und zwar ausgerechnet in den Bereichen des Gehirns, die für die Verhaltenssteuerung, die Gedächtnis- und Lernfunktionen wichtig sind.
Noch wenig untersucht sind äußere Faktoren. Dazu gehören Reizüberflutung bei gleichzeitigem Bewegungsmangel, Alkohol und Drogen in der Schwangerschaft sowie Geburtskomplikationen. In Sachen Ernährung vermutet man, dass bestimmte Lebensmittel, künstliche Farbstoffe und Konservierungsmittel eine Rolle spielen.
Auch familiäre Bedingungen sowie das Umfeld in Kita und Schule können das Ausmaß der Probleme und ihren weiteren Verlauf prägen. Haben Eltern selbst psychische Probleme (oder auch ADHS), wird etwa zu Hause viel gestritten, kann dies die ADHS-Symptome des Kindes verstärken.
SYMPTOME UND DIAGNOSE
Wie bei den Ursachen ist es eine meist Kombination unterschiedlicher Auswirkungen, die ADHS-Patienten das Leben schwermachen. Je nach Lebensphase können die typischen Symptome verschieden ausgeprägt sein und sich immer wieder mal verändern.
Zu den Kernsymptomen zählen:
- Aufmerksamkeitsstörungen
- Hyperaktivität
- Impulsivität
Klar, das kennen wir alle. Für eine ADHS-Diagnose müssen diese Auffälligkeiten allerdings einige Kriterien erfüllen:
- darüber hinausgehen, was sich durch Alter und Entwicklungsstand des Betroffenen erklären lässt;
- eine bedeutsame psychosoziale Beeinträchtigung in mehr als einem Lebensbereich (in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz) verursachen;
- schon im Vorschulalter beobachtbar gewesen sein
- länger als 6 Monate bestehen.
Darüber hinaus gibt es Begleitsymptome wie erhöhte Reizbarkeit, aggressives Verhalten, Störungen der Bewegungskoordination, Probleme im Sozialverhalten oder eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) – man nennt diese auch komorbide Störungen.
Die 3 ADHS-Typen
- Hyperaktiv-impulsiver Typ (Bewegungsdrang, mangelnde Selbstkontrolle)
- Unaufmerksamer Typ (Konzentrationsprobleme, häufig verträumt)
- Mischtyp (alle Symptome treten ungefähr gleich stark auf)
Um herauszufinden, ob du wirklich eine ADHS hast – also für eine ärztlich bestätigte Diagnose –musst du viel Geduld mitbringen. Eine solche Diagnose und die entsprechende Therapie können sich über Monate oder länger hinwegziehen. Gerade bei Erwachsenen-ADHS besteht unter den Fachärzten wenig Erfahrung, weil man die Krankheit lange Zeit nur bei Kindern und Jugendlichen verortete. Doch das ändert sich zum Glück gerade.
Allem voraus gehen gründliche sogenannte Anamnesegespräche. Du schilderst deine aktuellen Probleme in unterschiedlichen Lebensbereichen, aber auch die Kindheit und Jugend sind zentrale Themen, da ADHS eben in dieser frühen Zeit entstanden ist. In der Regel musst du einen umfangreichen Fragebogen beantworten. Typische Fragen sind unter anderem:
- Wann sind die Symptome / Probleme erstmals aufgetreten?
- In welchen Lebensbereichen zeigen sich die Auswirkungen?
- Sind psychiatrische Erkrankungen bekannt?
- Nimmst du Medikamente ein, und wenn ja, welche?
Tipp: Binde ruhig deine Freunde oder Familienangehörige mit ein. Denn auch weitere Perspektiven helfen dem Arzt, dein Krankheitsbild genauer einzuordnen. Umgekehrt entwickelt dein soziales Umfeld durch solche gemeinsamen Gespräche auch ein besseres Verständnis für deine Probleme.
Auch eine körperliche Untersuchung gehört zum Procedere, um andere Grunderkrankungen auszuschließen. Außerdem werden spezielle Tests durchgeführt, um deinen kognitiven und aufmerksamkeitsrelevanten Leistungen beziehungsweise Defizite zu ermitteln.
THERAPIEN
Die Behandlung einer ADHS kann recht unterschiedlich erfolgen und richtet sich nach dem Leidensdruck und den Einschränkungen im sozialen Umfeld. Sie wird in der Regel von der Krankenkasse übernommen; in manchen Fällen bietet der Arzt auch sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen an, für die du selbst aufkommen musst.
Therapiebausteine bei einer ADHS sind beispielsweise:
- Psychoedukation (Coaching): Hier geht es um ein Basisverständnis der Störung, emotionale Unterstützung und Verbesserung des Selbstbildes/Selbstwertgefühls.
- Psychotherapie: Verhaltenstherapeutische Maßnahmen helfen dir, eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster aufzubrechen und die Symptome kontrollieren zu lernen.
- Medikamente (Pharmakotherapie): Sie verändern das Zusammenwirken der Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn und reduzieren die Symptome in der Regel sehr schnell.
Oft werden die einzelnen Bausteine miteinander kombiniert. Ziel der Behandlung ist vor allem ein besseres Selbstmanagement, damit du deinen Alltag leichter bewältigen kannst – also mehr Lebensqualität. Die Krankheit selbst gilt nicht als heilbar, aber die Symptome lassen sich gut in den Griff bekommen. Übrigens auch mit unterstützenden Apps auf Rezept!
Und zum Schluss die gute Nachricht: Wer ADHS hat, verfügt oft auch über besondere Persönlichkeitsmerkmale. Die Impulsivität kann sich etwa auch durch Kreativität, Spontaneität und Flexibilität ausdrücken – das sind gute Ressourcen, die du auch als ADHS-Patient gezielt für deine Lebensqualität nutzen kannst!
Quellen und weitere Informationen:
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